In den folgenden Artikeln geben wir erste Orientierungshilfen, wie man auch unter Windows XP die wichtigsten Einstellmöglichkeiten findet, nutzlose Beigaben los wird und eine zerbrochene Installation im Notfall wieder flott bekommt. Aber zunächst geht es hier darum, wie man das System vernünftig auf den eigenen PC kriegt, sei es parallel zu den bisherigen Betriebssystemen oder in Form eines Updates der installierten Windows-Version.
Mit Windows XP hat Microsoft sein Versprechen wahr gemacht, die bisher separat entwickelten Windows-Betriebssystemfamilien zu vereinen. Die getrennten Windows 9x/ME- und Windows-NT/2000-Schienen sollen zukünftig als Windows XP in einer Home Edition bei Privatkunden und als Professional bei Geschäftskunden ihren Dienst tun. Windows XP stellt einen direkten Nachfolger von Windows 2000 dar, hat also technisch wenig mit der 9x/ME-Familie gemein - insbesondere kommt XP ohne den bei 9x/ME für viele Abstriche am System verantwortlichen DOS-Unterbau aus.
Ab dem 25. Oktober will Microsoft XP in den beiden Darreichungsformen auch als Update-Version unter die Leute bringen. Wer Windows 9x/ME einsetzt, kann auf die Home Edition oder die Professional-Version zu preislich vergünstigten Konditionen umsteigen. Wer bereits NT 4 oder Windows 2000 einsetzt, kann vergünstigt nur auf die Professional-Variante wechseln. Ohne updateberechtigtes System, etwa wenn man nur eine Lizenz von Windows 95 hat, ist eine Voll- beziehungsweise DSP-Version fällig.
Alternativ gibt es Windows XP natürlich auch im Bundle mit neuen PCs. Anfang Oktober waren die in Deutschland allerdings noch rar. Mitte Oktober sollen aber vereinzelt solche Versionen in den Handel kommen - das bestätigten nicht nur PC-Hersteller wie Hewlett Packard, sondern auch Handelsketten wie Saturn. Mit konkreten Schnäppchen, die Windows XP vor der offiziellen Markteinführung versprachen und in den USA gängig waren, hielt sich der deutsche Handel zurück. Mit einem PC gibt es in der Regel die Home Edition - ein spezielles Update für Kunden auf die Professional-Version will Microsoft in den USA auflegen, die deutsche Niederlassung hat keine entsprechende Pläne.
Egal, ob schon ein Betriebssystem auf dem PC ist oder nicht, bietet das XP-Setup-Programm Optionen an, um die Festplatte zu partitionieren und ein Ziellaufwerk auszuwählen. Allzu viel Komfort sollte dabei jedoch niemand erwarten. Die Installationsroutinen können zum Beispiel keine Partitionen in der Größe verändern. Solche Aufgaben sollte man zuvor mit geeigneten Werkzeugen erledigen, etwa Partition Magic oder mit dem frei erhältlichen FIPS (www.igd.fhg.de/~aschaefe/fips). Generell ist es sinnvoll, für XP eine eigene Partition einzurichten - eine gemeinsame Installation mehrerer Windows-Versionen auf einer Partition empfiehlt sich nicht.
Die Installation stellt den Benutzer vor die Wahl, ob er FAT oder NTFS als Dateisystem benutzen möchte. Was sinnvoll ist, hängt zum einen davon ab, ob man ein Update durchführen will, und zum anderen davon, welche Betriebssysteme zusätzlich auf einem PC laufen (sollen) - später mehr dazu. Wichtig ist noch, dass man genügend Platz für Windows XP reserviert: Unterhalb von 1035 MByte verweigert XP die Installation. Vier GByte sollte man XP mindestens gönnen.
Alternativ kann man die Installation unter dem aktuell laufenden Windows in Angriff nehmen. Nur in diesem Fall bietet XP überhaupt seine Update-Fähigkeiten an (man muss diese allerdings nicht in Anspruch nehmen, sondern kann eine Neuinstallation veranlassen). Der Start unter Windows hat den Vorteil, dass sich das Setup-Programm, eine Internet-Verbindung vorausgesetzt, selbst aktualisiert. Mangels von Microsoft derzeit bereitgestellter Aktualisierungen für das Setup-Programm bleibt der Versuch des `dynamischen Setup´ derzeit oft folgenlos, doch das dürfte sich ändern.
Scheitert das Booten von der CD, so gibt es dafür verschiedene Ursachen. Das BIOS-Setup eines unserer Testrechner bot das ATAPI-CD-Laufwerk zwar als Bootmedium an, startete aber nicht von der CD. Als Ursache stellte sich schließlich heraus, dass der zugehörige IDE-Port nicht für automatische Erkennung konfiguriert war; das BIOS ignorierte das Laufwerk. Ähnliche Erfahrungen haben wir mit älteren SCSI-Adaptern gemacht. Sie kommen unter Umständen nicht mit dem Boot-Code auf der XP-CD klar; anders als bei gängigen Boot-CDs findet sich darauf kein Floppy-Emulationscode, sondern eine spezielle Boot-Code-Variante.
Auch im späteren Verlauf der Installation kann ein CD-Laufwerk für Ärger sorgen: Wir haben es erlebt, dass Laufwerke, die im Normalbetrieb unter Windows unauffällig arbeiten, dabei patzten. Es gab Aussetzer bei der Hardware-Erkennung oder das Laufwerk verschwand nach dem Reboot, sodass XP dazu aufforderte, die CD in das nicht mehr vorhandene Laufwerk einzulegen ... Unser Tipp: Bei solchen Merkwürdigkeiten das Laufwerk austauschen oder auf eine Installationsart umsteigen, die ohne Zugriffe auf die CD auskommt.
Simples Kopieren der Installationsdateien auf die Platte, wie es bei 9x/ME möglich ist, gelingt auch bei XP. Das Kopieren der Installationsdateien auf die Festplatte hat hier aber keine weiteren Vorteile wie noch unter 9x und ME. Windows XP kopiert bei der Installation ohnehin alle wesentlichen Dateien auf die Festplatte, sodass es zum Beispiel beim Nachinstallieren von Komponenten oder Treibern so gut wie nie nach der CD fragt.
Als alternativer Installationsweg bietet sich ein spezielles Installationsprogramm aus dem Lieferumfang an, das neben dem Kopieren aller Installationsdateien auch die zum Starten des Setup-Programms nötigen Ergänzungen auf einer Platte vornimmt. Das Programm liegt im i386-Verzeichnis der CD und heißt `winnt´. Es ist unter DOS mit der Option `/t´ zu starten. Damit das Kopieren selbst einigermaßen flott geht, sollte unter DOS unbedingt Microsofts DOS-Disk-Caching-Programm SmartDrive geladen sein.
Das Gleiche lässt sich auch unter Windows bewerkstelligen: Bei Auswahl der Neuinstallation ist unter erweiterte Optionen `Alle Installationsdateien von der CD kopieren´ zu aktivieren. Das Feld für die Eingabe des Namens für den Zielordner gibt nicht, wie man erwarten könnte, das Verzeichnis an, in das XP die Installationsdateien kopiert, sondern den Namen für das Verzeichnis, in dem sich das System später installiert. Die Option `Installationslaufwerk und -partition während der Installation auswählen´ wirkt nicht. Das Setup-Programm fragt bei einer Neuinstallation stets nach der Zielpartition.
`Neuinstallation´ bedeutet bei XP nicht, dass die gewählte Platte automatisch neu eingerichtet oder auch nur formatiert wird. Das Setup-Programm lässt stets die Option, ein bestehendes Dateisystem beizubehalten. Im Extremfall löscht es nicht mal die Dateien eines Windows 98 auf Laufwerk c:, wenn man XP dort `neu installiert´ - allerdings bootet danach erst mal nur XP. (Wir betrachten zunächst aber nur den - empfehlenswerten - Weg, wo XP eine eigene frische Boot-Partition bekommt).
In den meisten Fällen durchläuft das Setup-Programm einen Teil der Installation im Textmodus mit blaugelben Bildschirmen aus der DOS-Setup-Programmära. Dort erhält man mittels Druck auf die Taste F6 Gelegenheit, Treiber für zusätzliche Massenspeicheradapter einzubinden. An dieser Stelle klappt es wie unter Windows 2000 schon, XP anzuweisen, dass es ACPI verwenden soll oder eben auch zu verhindern, dass das System diesen inzwischen gängigen Ressourcenverwaltungs- und Powermanagementstandard benutzt. Ein Druck auf die nach wie vor nicht dokumentierte Taste F5 genügt für eine entsprechende Auswahl, F7 für eine nachfragefreie Abwahl von ACPI.
Ein Abschalten von ACPI, das unter Windows 2000 noch häufig notwendig war, um zu einer stabil lauffähigen Installation zu kommen, ist unter XP deutlich seltener angezeigt. Zwei unserer Testrechner, die unter Windows 2000 nur als Standard-PC funktionieren wollten, arbeiten unter XP jetzt auch mit ACPI einwandfrei, obwohl wir unterdessen weder BIOS-Updates eingespielt noch andere Änderungen an der Konfiguration vorgenommen haben.
Das XP-Setup-Programm beschäftigt sich relativ lange mit dem Laden von Treibern während des Starts seiner Installationsroutine. Bei einer Nicht-Update-Installation erscheint im Anschluss die Auswahl der Zielpartition. Bei dieser Gelegenheit kann man auch alte Partitionen löschen und neue einrichten. Man muss jedoch Obacht geben, nicht zu schnell durch die wenig komfortable Benutzerführung zu flitzen - eine Möglichkeit, zu einem versehentlich übersprungenen Konfigurationsschritt zurückzukehren, fehlt mitunter.
Wer auf einer leeren Platte zusätzlich ein FAT-basiertes Start-Laufwerk einrichten möchte, kann hier zwei Partitionen anlegen und als Zielpartition für XP die zweite angeben. Das Setup-Programm formatiert dann auch die erste, automatisch als primäre Partition mit dem FAT-Dateisystem. Ein solches Vorgehen empfiehlt sich, wenn man mit anderen Betriebssystemen, etwa Linux, später auf die Dateien des XP-Bootmenüs zugreifen, für die eigentliche Installation aber NTFS verwenden will.
Nach dem Formatieren der Zielpartition kopiert das Setup-Programm die Dateien und startet den PC neu. Der Rest der Installation läuft dann im grafischen Modus ab. Bei einer unter Windows initiierten Installation hat der Benutzer einen Vorgeschmack darauf zu sehen bekommen - allerdings hat XP dabei lediglich einige Dateien auf die Festplatte kopiert, die es zum Starten der eigentlichen Installationsroutine braucht. Beim anschließenden Neustart lädt das System diese Dateien, um den eigentlichen Prozess in Gang zu setzen - man muss also die Aufforderung, eine Taste zu betätigen, um von der CD zu booten, jetzt unbedingt ignorieren.
Im grafischen Teil der Installation fragt XP unter anderem ein Kennwort für das Konto des Administrators ab. Es wird später nur dann gebraucht, wenn das System im abgesicherten Modus startet. Nur dort tritt der Administrator standardmäßig in Erscheinung; sonst bleibt dieser Benutzer unsichtbar. Im weiteren Verlauf versucht XP, das Netzwerk zu konfigurieren und bietet je nach Version und Erfolg gleich an, sich registrieren zu lassen und das System zu aktivieren, also bei Microsoft übers Internet einen Freischaltcode zu holen.
In der letzten Phase der Installation (während der Geräteerkennung) kann man übrigens eine Kommandozeile starten, indem man Shift-F10 drückt. Das ist nicht nur praktisch, um Screenshots zu machen, sondern auch dann, wenn sich das Setup-Programm bei der Hardwareerkennung festfrisst. Über das Öffnen der Kommandozeile und Starten des ebenfalls betriebsbereiten Task-Manager lässt sich der Setup-Prozess beenden. Der PC startet daraufhin neu und das Setup-Programm fährt mit der Installation nach dem Gerät fort, bei dem es zuvor ins Stocken kam.
Dank zusätzlicher Software ist es inzwischen zwar möglich, auch DOS und Windows 9x/ME Zugriff auf NTFS-Partitionen zu gewähren [2], doch in der kostenlosen Variante bleibt sie auf Lesen beschränkt. Linux kann zwar schreibend auf NTFS-Partitionen zugreifen, doch diese Funktionen sind noch in der Experimentierphase - für produktiven Einsatz mit Schreibzugriff bei sensiblen Daten also nicht unbedingt zu empfehlen.
Wer mit mehreren Betriebssystemen hantiert, dürfte deshalb zwangsläufig auf FAT als Dateisystem zurückgreifen und sei es nur, um eine Partition für den Datenaustausch damit einzurichten. Die Frage zwischen FAT16 und FAT32 stellt sich bei der XP-Installation selbst nicht unmittelbar: Richtet man die Partitionen mit dem Setup-Programm ein, so wählt es das Format selbstständig. Partitionen kleiner als zwei GByte legt es als FAT16 an, größere als FAT32. Die Installation auf derart kleinen Laufwerken macht allerdings keinen Sinn: So bleibt dabei der für den Schutz der Systemdateien nötige DLL-Cache unvollständig - mit dem Erfolg, dass XP die Original-CD anfordert, wenn eine Datei Schaden nimmt.
Windows XP kann übrigens wie auch Windows 2000 keine FAT32-Partitionen größer als 32 GByte selbst erzeugen; wer größere Partitionen braucht, muss entweder eine andere Software (etwa Windows 9x) zum Einrichten und Formatieren bemühen oder NTFS nehmen. NTFS hat zudem den Vorteil, dass es den freien Platz in kleineren Einheiten (Clustern) und damit sparsamer verwaltet und Dateien komprimieren kann (zum Beispiel die im DLL-Cache).
Mehr noch spricht für NTFS: Es kann Dateien vor den Blicken anderer schützen. In der Home Edition kann ein Benutzer die in seinen Verzeichnissen abgelegten Dateien allerdings nur als `privat´ kennzeichnen. In der Professional kann er dagegen steuern, wer welche Rechte für den Zugriff auf Dateien haben soll. Auch andere Vorzüge von NTFS kommen nur der Professional-Variante zugute: Dateiverschlüsselung und die Möglichkeit, mehrere Partitionen unter einem Laufwerksbuchstaben zusammenzufassen.
Das Gleiche gilt noch mehr für ein Update von Windows NT 4. Ein Gemischtbetrieb mit NT4 empfiehlt sich ohnehin nicht: Das NT-Dateisystem (NTFS) dieses Vorläufers von XP würde durch die Installation umgekrempelt - NT4 läuft nur parallel, wenn ihm ein modernisierter NTFS-Treiber untergeschoben wurde; das passiert ab Service Pack 4 automatisch, Software wie chkdsk oder Defragmentierer arbeiten dann jedoch unter NT nicht.
Apropos NT4: Wer vom Vorläufer des Vorläufers auf XP umsteigt, dürfte zwar bei der Installation auf Vertrautes treffen, muss sich aber andernorts davon trennen: Die wenigsten Treiber, die unter NT4 noch ihren Dienst verrichten, vertragen sich mit Windows XP - wie viele schon beim Umstieg auf Windows 2000 müssen sich Spätadepten jetzt schließlich zum Beispiel von ihren ISDN-Karten trennen ...
Bei einem Update von Windows 2000 ist am ehesten Vorsicht angebracht - hier besteht die Gefahr, dass Treiber- oder Softwareleichen dem neuen System das Leben schwer machen. Andererseits hat Microsoft einige Schutzfunktionen implementiert, die mit XP unverträgliche Systemerweiterungen und Programme abwehren sollen. So schaltet XP zum Beispiel ältere Logitech-Maustreiber vorsichtshalber ab.
Der Vorteil, die Anwendungen nicht erneut einrichten zu müssen, dürfte in vielen Fällen dennoch das schlagkräftigste Argument für die Update-Installation sein. Hinzu kommt, dass XP schon vor der eigentlichen Installation Treiber und Programme auf Verträglichkeit hin prüft - diese Prüfung lässt sich über das Einlegen der XP-CD und Auswahl von `Systemverträglichkeit prüfen´ unter `weitere Aufgaben´ sogar auch separat vorab erledigen. Ein allein lauffähiges Programm, um diese Prüfung vorzunehmen, gibt es auf der Homepage für Windows XP [3] zum Download (es ist allerdings mit zirka 50 MByte recht groß geraten).
In den Genuss der Undo-Funktion, die das Update rückgängig machen kann, also XP wieder durch das alte System ersetzt, kommen leider nur Umsteiger von Windows 98/ME, und auch das gilt nur, solange man das Dateisystem bei FAT belässt - wer beim Update auf NTFS umsteigt, muss auf die Funktion verzichten. Allerdings lassen sich FAT-Laufwerke nachträglich in NTFS konvertieren (auf der Kommandozeile durch Aufruf von `convert´), wobei sich NTFS aber laut Online-Hilfe suboptimal auf der Partition breit macht.
Wer dem Update nicht traut, kann sich den manuellen Umstieg versüßen: Auf der XP-CD findet sich unter `weitere Aufgaben´ ein Programm, das die wichtigsten Einstellungen und sogar Dokumente einer Windows-Installation auf XP übertragen kann. Mit seiner Hilfe lassen sich viele Dinge ohne mühsame Handarbeit in ein parallel installiertes XP retten, etwa Hintergrundbilder, Farbeinstellungen, Hotkeys, Desktop-Symbole und vieles mehr. Die Applikationen muss man unter XP dann natürlich dennoch manuell installieren.
Mit der Zeitschätzung von 70 Minuten für das Update lag das Setup-Programm auf dem Testsystem recht gut. Die Prozedur schaufelte insgesamt gut 1,2 GByte an Daten zusätzlich auf die Festplatte eines Testrechner unter Windows 98 SE. 300 MByte davon gewinnt man wieder, wenn man sich von den Undo-Dateien für die Rückkehr zum alten System trennt. Beim Update von Windows 2000 wächst das System nicht so stark, sondern `nur´ um ein halbes GByte an Plattenplatz. Da XP hier kein Undo unterstützt, kann man auch nichts zusätzlich frei räumen.
Der erste Eindruck nach vollzogener Umstellung ist gut: Der Desktop hat zwar die Anordnung der Symbole vergessen und trägt eine neue Hintergrundfarbe; das Hintergrundbild hat aber überlebt. Bildschirmauflösung und Farbtiefe wurden übernommen, aber das Bild flimmert mit 60 Hz. Die Netzwerkanmeldung an eine NT-Domäne und Netware funktioniert. Alle für die Internet-Nutzung relevanten Einstellungen sind erhalten geblieben, etwa die des Proxy-Servers. Gespeicherte Cookies und `Auto Vervollständigen´-Einträge sind verschwunden.
Etliche Dateiverknüpfungen lenkt das Update auf die Microsoft-Beigaben um: Für verschiedene Bilddateiformate war beispielsweise IrfanView als Betrachter eingetragen, nun meldet sich aber bei einem Doppelklick auf eine solche Datei die `Windows Bild- und Faxanzeige´. Der Befehl `Bearbeiten´, der für diese Dateitypen ins Kontextmenü eingebaut war und der PaintShop Pro gestartet hat, ist auf MS-Paint umgebogen. Textdateien öffnen sich statt in UltraEdit wieder mit Notepad.
Inkonsistent ist die Verwendung der persönlichen Ordner und Einstellungen: Die `Eigenen Dateien´, das Startmenü und weitere Dateien des Benutzers, der beim Start der Installation angemeldet war, finden sich nach wie vor am alten Ort, also etwa unter c:\Eigene Dateien beziehungsweise unter c:\Windows\Startmenü. Für weitere Benutzer legt XP dann Unterordner von `c:\Dokumente und Einstellungen´ an. Besonders verwirrend: Hier existiert im Unterordner des Benutzers wohl ein Startmenü, aber angezeigt wird das aus c:\Windows.
Unheil auf den Partitionen anderer Betriebssysteme richtete XP bei seiner Installation auf keinem unserer Testsysteme an. Mit einer Ausnahme: Wie seine Vorläufer bringt Windows XP einen eigenen Boot-Loader mit. Dieser nistet sich stets auf der ersten primären (FAT- oder NTFS-)Partition (Laufwerk c:) ein, indem er dort die drei Dateien ntldr, ntdetect.com und boot.ini hinterlegt. War schon DOS oder Windows 9x/ME installiert, landet der bisherige Bootcode (Boot-Sektor) dieser Partition in der Datei bootsect.dos. Der Loader bemüht diese, um außer XP auch das vorherige Betriebssystem zu starten.
Wer kein Update vorgenommen hat, sondern parallel zu XP das alte Windows weiterbetreibt und dabei in die Verlegenheit gerät, das alte System neu zu installieren, muss aufpassen: Eine Neuinstallation von 9x/ME überschreibt den Boot-Sektor der jeweiligen Partition. Dort nistet aber der Boot-Loader - XP verschwindet quasi. Formatiert man die 9x/ME-Partition gar neu, dann sind auch die von XP dort hinterlassenen Startdateien verloren, obwohl man XP auf seinem eigentlichen Installationslaufwerk in Sicherheit wähnt.
Ähnliches gilt, wenn man nach der XP-Installation auf einem PC erneut Windows 2000 installiert. Es ersetzt den XP-Loader durch seinen eigenen. Das Ergebnis: XP startet nicht mehr. Um das geradezubiegen, muss man aus dem i386-Verzeichnis der XP-CD die Dateien ntldr und ntdetect.com ins Hauptverzeichnis der ersten primären Partition (Laufwerk c:) kopieren.
Für Betriebssystemforscher empfiehlt es sich grundsätzlich, unter XP eine Diskette zu formatieren und die Startdateien darauf zu kopieren. Mit dieser Diskette lässt sich das System später immer noch starten, selbst wenn man des Loaders auf der Platte verlustig gegangen ist. Eine Möglichkeit, den Boot-Sektor dieser Startpartition neu zu schreiben, liefert Microsoft in seiner Wiederherstellungskonsole (siehe Artikel auf S. 146).
Wie schon bei seinen Vorgängern ist es auch bei XP möglich, den mitgelieferten Boot-Loader für das Starten anderer Betriebssysteme einzusetzen. Allerdings ist dafür Voraussetzung, dass ihre Startpartition auf der ersten Platte im System liegt. Man muss dazu mit geeigneten Mitteln (etwa einem Disk-Editor) den Boot-Sektor dieser Partition in eine Datei sichern und sie auf der primären Partition ablegen. Eine weitere Zeile in der Konfigurationsdatei für den XP-Loader (boot.ini) genügt, damit dieser das zusätzliche Betriebssystem zur Auswahl anbietet. Für eine zum Beispiel mit `dd´ unter Linux erzeugte Datei namens bootsect.lin genügt dann die Zeile:
c:\bootsect.lin="Linux"Anders als man vielleicht meinen könnte, verläuft die Parallelinstallation von XP zu einem bestehenden Windows (9x, NT und 2000) problemlos. Das Setup-Programm aktualisiert zwar den Loader, trägt aber alle vorhandenen Systeme wieder in dessen Konfigurationsdatei (boot.ini) ein. Das heißt, wer das alte System nicht nachinstalliert, muss sich auch keinen Kopf um die ganzen Details machen. Ähnliches gilt, wenn man XP eine mit einem speziellen Boot-Manager erzeugte primäre Partition vorsetzt und den Rest versteckt. Lediglich, wer alternative Systeme einsetzt, sollte - wie gesagt - vorsichtshalber eine Startdiskette zur Reparatur des jeweiligen Helfers erzeugen, bevor er mit XP beginnt.
Zusammenfassend betrachtet ist die Installation eher unkritisch, wenn man weiß, was man will, sich also über Dateisystem und die Aufteilung der Platte im Klaren ist. Updates sind weniger problematisch als früher, man muss also nicht mehr generell davon abraten.
Noch ist es allerdings für manchen verfrüht, ganz auf XP umzusteigen: Hinsichtlich der Performance bei Spielen, aber auch der Verträglichkeit mit einzelnen Applikationen ist das System nicht perfekt. Im Zweifelsfall sollte man sich zunächst mit einer Parallelinstallation begnügen und in Ruhe ausloten, ob alles wie erwartet läuft. Hinweise, wie Sie das System dabei an Ihre Wünsche anpassen können und einzelne Probleme meistern, finden Sie im folgenden Artikel. (ps)
[2] DOS- und Windows-9x-Programme für den Zugriff auf NTFS: www.sysinternals.com
[3] Microsofts Homepage für Windows XP: www.microsoft.com/windowsxp