Die beiden Netzwerkkarten aus dem Starterkit stecken in den Rechnern und das mitgelieferte Kabel verbindet sie. Doch auch nach viel Probieren netzt es immer noch nicht. Unser Crashkurs klärt, wo es im `Getriebe´ meistens klemmt und wie man das mit Bordmitteln behebt.
Unterthema: Verflixtes Windows
Wie bei den meisten Fehlern hilft auch bei Netzwerkproblemen am schnellsten eine systematische Suche, bei der man nach und nach mögliche Problemquellen ausschließt und sich gelegentlich Notizen über die gegangenen Schritte macht. Planloses Rumprobieren kostet dagegen nur Zeit und Nerven. Die Suche beginnt praktischerweise bei der Hardware. Von dort aus arbeitet man sich über Treiber, installierte Protokolle und die Konfiguration nach und nach bis zur Anwendung hoch. Im Folgenden schildern wir für verschiedene Szenarien ausgehend vom einfachsten denkbaren Netz - zwei direkt miteinander verbundenen PCs - über eine Router-Installation bis zum Funknetz mögliche Fehlerquellen und wie man sie aufspürt.
Ob die Hardware funktioniert, verrät oft schon ein Blick auf die Statusanzeigen der Netzwerkkarten, Hubs, Switches oder Router (s. Bild rechts). Normalerweise sollte an einer Netzwerkkarte direkt nach dem Einschalten, spätestens aber nach dem Hochfahren des Betriebssystems wenigstens die Link-Lampe leuchten. Sie zeigt an, dass die Netzwerkkarte ihre Gegenstelle `hören´ kann. Bleibt dagegen alles dunkel, dann könnte es sein, dass das Netzwerkkabel nicht fest in den Buchsen sitzt, es kein zur direkten Verbindung zweier Rechner nötiges Cross-Patchkabel ist oder dass im Kabel schlicht eine Ader gebrochen ist.
Cross-Patchkabel lassen sich leicht an den Aderfarben in den RJ45-Steckern erkennen, indem man beide Stecker eines Kabels nebeneinander hält. Bei gerade durchverbundenen Kabeln ist die Reihenfolge der Aderfarben identisch, bei Cross-Kabeln zwischen den Anschlusspaaren 1/2 und 3/6 vertauscht. Pin 1 liegt links, wenn man auf die Steckerkontakte schaut und das Kabel zum Körper zeigt.
Ob ein Aderbruch im Kabel die Ursache für das Netzwerkversagen ist, kann man am einfachsten durch Austauschen feststellen. Hat man dagegen gerade keinen Ersatz zur Hand, hilft nur Messtechnik bei der Diagnose. So gut wie jedes Multimeter, auch das billige aus dem Baumarkt, enthält einen Durchgangsprüfer. Den verwendet man, um das Kabel anhand der Aderfarben `durchzuklingeln´.
Besitzt das Klein-LAN bereits einen Hub oder Switch (im folgenden gehen wir schlicht von Switches aus) und man hat kein reguläres, sondern nur ein Cross-Kabel zur Hand, dann hilft eventuell ein Feature des Switches weiter. Diese Geräte besitzen oft für Verbindungen zu anderen Switches eine gesonderte Buchse, die die Cross-Verbindung eines Cross-Patchkabels quasi vorwegnimmt. Dann steht häufig der Schriftzug `Uplink´ oder `MDI-X´ (X für Cross) drüber.
Hier kann man einen Rechner auch über ein Cross-Kabel anschließen, da die doppelte Kreuzung wieder eine Durchverbindung ergibt. Aber Achtung: Oft ist dann die direkt daneben liegende reguläre Buchse des Switches mitbelegt, da viele Hersteller die Uplink-Buchse einfach parallel anschließen. Dann kann man nicht beide Ports, regulär und Uplink, gleichzeitig benutzen. Alternativ besitzen manche Switches einen Schalter, der eine reguläre Buchse zum Uplink-Port umwidmet. Damit ist man für alle Fälle gerüstet. Schließt man hier einen PC an und es kommt erst keine Verbindung zu Stande, dann lohnt sich ein probeweises Umschalten.
Selbst bei leuchtender Link-Lampe kann immer noch eine Hardware-Komponente die Fehlerursache sein: der PCI-Slot. Ein Herausziehen und Neueinsetzen klärt, ob die Karte vielleicht nicht vollständig drin saß. Auch wenn sich die Steckplätze visuell gleichen, sind sie elektrisch nicht unbedingt hundertprozentig identisch: Bei manchen Mainboards sind einige Slots busmaster-fähig, einzelne aber nicht. Das Umsetzen in einen anderen Steckplatz kann hier weiterhelfen.
Wenn es nun immer noch nicht netzt, dann bleibt nur die Software als Fehlerquelle übrig. Ob das Betriebssystem die Karte korrekt eingebunden hat, verrät bei Windows der Geräte-Manager. Taucht hier die Netzwerkkarte mit einem roten Kreuzchen oder einem gelben Fragezeichen auf, dann ist entweder der Treiber nicht installiert oder es gibt Ressourcenkonflikte. Normalerweise hilft Windows mit einer Kurzerklärung. Hinweise, wie man sonst weiterkommt, gibt der Artikel auf Seite 102. Eine ausführliche Anleitung zum Aufbau eines Klein-LANs steht in [2].
Normalerweise überlässt man es den Rechnern, sich selbsttätig eine eindeutige IP-Adresse zu holen. Die bestimmen sie entweder in einem automatischen Verfahren (APIPA) oder sie erhalten sie von einem DHCP-Server im LAN. Letzerer kann in einem Router integriert sein, dazu weiter unten mehr. Allerdings kann die automatische Adressbestimmung per APIPA das Hochfahren von Windows 98 und 98SE bis zu einer halben Minute verzögern [3].
Vergibt man feste IP-Nummern aus den privaten Adressbereichen, beispielsweise 10.x.x.x oder 192.168.1.x, dann muss auch die Netzmaske passen. Bei 10er-Netzen lautet sie typischerweise 255.0.0.0, bei 192er-Netzen 255.255.255.0. Dabei sollte man kein Standardgateway und keinen DNS-Server vorgeben, solange kein Router mit im LAN hängt. Doppelte Adressen dürfen im LAN nicht vorkommen. Auch Vertipper können bei entsprechend gewählter Netzmaske den Datenfluss verhindern: 10.101.101.101 statt 10.10.101.101 fällt kaum auf, wird aber von der Maske 255.255.0.0 ausgesiebt.
Als Protokollfamilie sollte nur TCP/IP installiert sein, NetBEUI und IPX/SPX sind im Heim-LAN normalerweise überflüssig. Falls man sie doch braucht, muss man unter Windows 98 und ME auf eine strikte Bindung der Protokolle zu den Diensten achten. Ob die IP-Verbindung funktioniert, klären Kommandozeilentools: winipcfg (Windows 98/ME) oder ipconfig (2000/XP) zeigen die eigene IP-Adresse eines Rechners an, die man von der Gegenstelle aus an´ping´en kann.
Ein zuverlässiger Zugriff auf freigegebene Verzeichnisse und Drucker gelingt unter Windows nur, wenn die vernetzten Rechner derselben Arbeitsgruppe angehören. Andernfalls müsste man einen Domänencontroller aufsetzen, was bei wenigen Rechnern aber purer Overkill wäre. Hat man seine beiden PCs nun soweit eingestellt, dann sehen sie trotzdem nicht automatisch alle Verzeichnisse und Drucker des Gegenübers. Ressourcen, die ein Rechner öffentlich anbieten soll, muss man auf diesem erst freigeben. Solange man auf allen PCs die gleiche Windows-Version benutzt, klappt das normalerweise problemlos. Zwischen unterschiedlichen Windows-Varianten kommt es dagegen oft zu Schwierigkeiten, Details dazu verrät der Kasten auf Seite 121.
Ebenfalls kann es bei der Datei- und Druckerfreigabe Probleme geben, wenn man für den Internet-Zugang eine Personal Firewall wie etwa Zone Alarm installiert hat. Blockiert diese die Ports 137, 138, 139 oder 445, dann geht kein Windows-Networking mehr. Das kann man überprüfen, indem man die Internet-Verbindung beendet und die Firewall vorübergehend ausschaltet.
Kommt zum LAN ein DSL- oder ISDN-Router für den gemeinsamen Internet-Zugang hinzu, dann sollte auf allen Rechnern TCP/IP installiert und die automatische Adressvergabe eingestellt sein. Im Router aktiviert man den DHCP-Server und lässt diesen die Rechner-Adressen sowie die Adressen des Gateways und DNS-Servers im LAN verteilen. Die optimale Einrichtung eines Routers schildert [4].
Ob die automatische Konfiguration funktioniert, kann man auf den PCs wie oben beschrieben mit winipcfg und ipconfig überprüfen. Bei Standard-Gateway und DNS sollten jetzt IP-Adressen angezeigt werden, normalerweise die des Routers selbst. Ob die Rechner den Router erreichen können, verrät wieder das Tool ping.
Klappt der Internet-Zugang dennoch nicht, überprüft man die im Router eingetragenen Zugangsdaten des Internet-Providers. Ein Vertipper an dieser Stelle verhindert die erfolgreiche Anwahl. Stimmt hier alles, probiert man zunächst einen Ping auf die externe Adresse des Routers (steht in seinen Konfigurations- oder Statusseiten), dann auf den Nameserver des Providers (Adresse ebenfalls im Router) und schließlich auf bekannte Server, etwa www.t-online.de, www.aol.com oder www.amd.de. Aber Achtung, nicht jeder Server beantwortet die von ping verwendeten ICMP-Pakete überhaupt, www.spiegel.de etwa ignoriert sie, man sollte also mehrere Adressen ausprobieren. Wenn ping dann eine IP-Nummer anzeigt, funktioniert zumindest die Namensauflösung per DNS.
Funktioniert der Internet-Zugang endlich, dann kann man sich bisweilen über automatisch aufgebaute Verbindungen wundern, obwohl niemand surft oder EMail abholt. Hierfür können viele Ursachen infrage kommen, beispielsweise beliebige Internet-Anwendungen, die Keep-Alive-Pakete verschicken - etwa Chat-Clients wie ICQ oder Trillian - oder Programme, die zu bestimmten IP-Nummern den Rechnernamen herausfinden wollen und beim DNS-Server anfragen. Solche je nach Häufigkeit kostenintensiven, kurzen Verbindungen sollte man zentral im Router unterbinden und diesen nur nach manueller Freigabe anwählen lassen.
Verwendet man ein Netz ohne Kabel, das man bereits wie eine herkömmliche Netzwerkschnittstelle konfiguriert hat, dann scheiden viele der oben beschriebenen Stolpersteine schon mal aus. Dafür kommen neue ins Spiel. Auch ein WLAN (Wireless LAN) netzt erst dann, wenn die typischen Einstellungen passen. Dazu gehören als wichtigste Parameter der Netzwerkname (E)SSID, der Funkkanal und die Verschlüsselung [5].
Ein WLAN-Client nimmt zwar mit beliebigen Funkzellen Verbindung auf, wenn seine SSID auf `ANY´ gestellt ist, aber auch hier sollte man sich ähnlich der Windows-Arbeitsgruppe einen individuellen Namen ausdenken. Diesen trägt man beim Access Point - der eventuell vorhandenen WLAN-Basisstation - sowie bei allen Clients ein. Den Funkkanal gibt man nur am Access Point fest vor, die Clients wählen ihn normalerweise automatisch anhand der SSID.
Die Eingabe des Schlüssels für die WEP-Absicherung des Funkkanals birgt Tücken: Manche Software nimmt den eingegebenen Text und errechnet über eine eigene Hash-Funktion daraus den effektiven Schlüssel. Die Funktion kann von Hersteller zu Hersteller anders gestaltet sein, sodass bei gleicher Vorgabe noch längst nicht der gleiche effektive Schlüssel herauskommt. Deshalb sollte man diesen möglichst direkt als zufällige Wertefolge in Hexadezimal-Notation (Ziffern 0...9, Buchstaben A...F) eingeben. Windows XP nimmt diese nach Abschalten von `Schlüssel automatisch bereitgestellt´ auch von Hand an. Es erkennt einen Hex-Schlüssel anhand der Länge und Zeichenauswahl automatisch. Manche Konfigurationstools der WLAN-Hersteller wollen aber auch eine vorangestellte Hex-Kennung, etwa `0x´ oder `$´.
Gebraucht erworbene WLAN-Basisstationen enthalten eventuell eine Zugriffsliste (ACL, Access Control List). Dann können sich nur WLAN-Clients anmelden, deren MAC eingetragen ist. Da dieses Feature die WLAN-Sicherheit nur wenig steigert, kann man es auch abschalten, wenn man die Liste nicht auffrischen will.
Kommt trotz korrekter Einstellungen keine drahtlose Verbindung zu Stande, dann kann schlicht ein Reichweitenproblem vorliegen [6]. Das vermeidet man mit erster Inbetriebnahme des WLANs im selben Zimmer und anschließendem Verfrachten an den Zielort. Dort kann man mit den eventuell mitgelieferten Client-Tools einen Blick auf die Empfangsfeldstärke werfen. Ist die zu niedrig, kann ein geringes seitliches Verlagern oder Drehen schon helfen. Allerdings braucht der WLAN-Client oft einige Sekunden, bis er den Access Point wiedergefunden hat und eine Verbindung anzeigt. Etwas Geduld schadet also nie. (ea)
[1] FAQ zu Windows XP: Netzwerk/Internet, http://support.microsoft.com/default.aspx?scid=fh;DE;winxpgernet
[2] Lars Bremer, Netzwerker, Erste Schritte zur Heimvernetzung, c't 24/01, S. 126
[3] www.heise.de/ct/faq/hotline/02/07/01.shtml
[4] Johannes Endres, Einfach routen, DSL- und ISDN-Router optimal einrichten, c't 7/02, S. 104
[5] Peter Siering, Jürgen Schmidt, Drahtlos ohne Reue, Konfiguration eines privaten Funknetzes, c't 14/02, S. 92
[6] Dr. Alfred Arnold, Funk-Kolleg, WLAN-Reichweite in Werbung und Wirklichkeit, c't 15/02, S. 193
[7] c't-Hotline und FAQ, www.heise.de/ct/faq/
Die zitierten c't-Artikel sind übrigens auch online erhältlich: www.heise.de/kiosk/
Mit jedem Windows hat Microsoft die Netzwerkerei einfacher gemacht, aber das Zusammenspiel mit älteren Versionen verkompliziert. Unser erster Tipp für erfolgreichen Peer-To-Peer-Betrieb im Klein-LAN lautet daher, auf die diversen Assistenten zu verzichten. Sinnvoll gewählte IP-Adressen, Rechner- und Arbeitsgruppennamen vorausgesetzt, stellt der Zugriff auf die Festplatte oder den Drucker eines anderen Rechners kein Problem dar.
Allerdings führt die unterschiedliche Mentalität von Windows 9x und 2000 beziehungsweise XP im Gemischtbetrieb zu Schwierigkeiten: 9x und ME arbeiten mit Zugriffsschutz auf Freigabeebene, das heißt für Zugriffe auf Dateien oder Drucker muss man das richtige Passwort kennen, mehr nicht. Windows 2000 und XP hingegen arbeiten mit Benutzern. Wer auf eine Freigabe zugreifen will, braucht ein Benutzerkonto auf dem freigebenden Rechner, ohne geht es nicht.
Soll ein PC mit Windows 9x/ME auf eine Freigabe von 2000/XP zugreifen, dann übermittelt er den Benutzernamen dorthin, der zur Anmeldung beim Start eingegeben wurde - unter Umständen hat man den längst vergessen, da man das Anmeldefeld seinerzeit ohne Passwort geschlossen hat und Windows dann beim nächsten Start nicht mehr nachfragt. Unter welchem Benutzernamen man an 9x/ME angemeldet ist, verrät das Startmenü; dort taucht ein Eintrag `xyz abmelden´ auf.
Richtet man dann für xyz unter Windows 2000/XP ein Konto ein, so klappt der Zugriff auf eine Freigabe auch. Bei XP gibt es allerdings eine weitere Tücke: Es verlangt nicht nur nach einem geeignet benannten Benutzerkonto, sondern dieses muss auch mit einem Passwort versehen sein. Ohne dieses verweigert es standardmäßig den Zugriff - eine Voreinstellung von Microsoft, die man überschreiben kann, unter anderem, indem man die Freigabefunktionen ohne Assistentenhilfe aktiviert.
Die Home Edition von Windows XP spielt bei all dem eine Sonderrolle, denn Microsoft hat ihre Netzwerkfähigkeiten abgespeckt. Egal als welcher Benutzer man sich dort anmeldet, behandelt diese XP-Version alle gleich, nämlich als Gast. Zur erfolgreichen Anmeldung ist dennoch ein Konto nötig. Die Krux daran ist, dass man trotz Sicherheit auf Benutzerebene einzelne Dateien oder Freigaben nicht nur bestimmten Benutzern zugänglich machen kann - außer über versteckte Freigaben.
Zweite Hauptärgerquelle beim Vernetzen von Windows PCs ist die Netzwerkumgebung, in der sich normalerweise jeder Rechner mit Freigaben zeigen sollte. Oft tut er das nicht: Sind alle eingangs genannten Voraussetzungen erfüllt, dann ist das beste Mittel Geduld. Oft brauchen mehrere PCs im Netz bis zu 15 Minuten, bis sie gemeinsam ein System zum Verwalter einer Suchliste bestimmt haben. Gewinnbringende Möglichkeiten, das sinnvoll zu beeinflussen, gibt es im Peer-to-Peer-Betrieb nicht. (ps)