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Dr. Oliver Diedrich

Geschüttelt und gerührt

Knoppix auf Festplatte installieren

Haben wir Ihnen mit der Knoppix-CD im letzten Heft Lust auf Linux gemacht? Dann wollen Sie das PC-Unix vielleicht dauerhaft auf Platte installieren. Kein Problem - auf der Festplatte entfaltet sich Knoppix zu einem vollwertigen Debian GNU/Linux. Und das funktioniert nicht nur mit der Knoppix-CD aus c't 4/03 ...

Unterthema: Partitionen und Laufwerke

Hat man erst mal Gefallen an Knoppix gefunden, wird das Booten von CD schnell beschwerlich: Geänderte Einstellungen müssen mühselig auf Diskette gespeichert und beim Systemstart von dort gelesen werden; Daten muss man von `fremden' Laufwerken auf der Festplatte lesen und dorthin sichern. Zudem glänzt das CD-ROM-Linux nicht gerade durch Tempo: Speziell das Starten von Programmen lässt sich doch recht zäh an. Was liegt also näher, als Knoppix auf der Festplatte zu installieren? Als Lohn der Mühe winkt ein komplettes und bereits weitgehend vorkonfiguriertes Debian GNU/Linux.

Dazu braucht man zuallererst Platz auf der Platte. Idealerweise existieren schon mehrere Partitionen, von denen sich eine (am besten die letzte auf der Platte, dann zickt Windows nicht rum) freischaufeln und für Knoppix verwenden lässt. Wenn nicht, ist die zweitbeste Lösung die Anschaffung einer eigenen Festplatte für Knoppix. Das ansonsten erforderliche Verkleinern einer bestehenden Partition ist nämlich eine entweder mühsame oder riskante Angelegenheit: mühsam, wenn man zuvor das aus Sicherheitsgründen dringend ratsame Backup der gesamten Platte vornimmt; riskant, wenn man aus Bequemlichkeit darauf verzichtet. Egal, wie unwahrscheinlich eine Panne ist - mit ein bisschen Pech (oder einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit) kann der Einsatz von Werkzeugen wie Partition Magic und GNU Parted mit dem Verlust aller Daten auf der Platte enden.

Wenn Sie dennoch diesen Weg gehen wollen: Knoppix enthält das Programm Parted, mit dem sich FAT-Partitionen verkleinern lassen. NTFS-Laufwerke kann keines der freien Programme auf der Knoppix-CD verkleinern; hier müssen Sie eines der kommerziellen Programme verwenden, die wir in [1] verglichen haben.

Platz schaffen

Beim Einsatz von Parted darf die Zielpartition nicht ins Dateisystem eingehängt (gemountet) sein, klicken Sie daher mit der rechten Maustaste auf das entsprechende Icon auf dem Desktop und wählen Sie den Menüpunkt `Laufwerkeinbindung lösen'. (Wenn dieser Menüpunkt fehlt, ist die Partition nicht gemountet.) Der Kasten rechts erklärt die Namenskonventionen bei Festplatten und Laufwerken.

Sollte das Unmounten der Partition fehlschlagen, hat Knoppix wahrscheinlich eine Swap-Datei darauf angelegt. Öffnen Sie in diesem Fall eine Textkonsole und lassen Sie sich dort mit

cat /proc/swaps

den Namen der Swap-Datei ausgeben. Ein

sudo swapoff Swap-Datei

nimmt die Swap-Datei außer Betrieb. Anschließend sollte das Unmounten klappen.

Auch Parted läuft in der Textkonsole. Das Kommando

sudo parted /dev/hda

startet das Programm mit Superuser-Privilegien - die sind nötig, um die Partitionstabelle verändern zu dürfen (`sudo' steht für `super user do'). Wenn Sie eine andere Platte als den Master am ersten IDE-Kanal bearbeiten wollen, setzen Sie deren Bezeichnung an Stelle von /dev/hda ein (siehe Kasten rechts).

Parted begrüßt Sie anschließend mit einem schmucklosen Prompt, an dem Sie Ihre Wünsche eingeben. Der Parted-Befehl print gibt die Partitionstabelle aus. Die zu verkleinernde Partition muss vom Typ `fat32' sein (mit NTFS-Laufwerken kann Parted nicht umgehen) und wird zukünftig über ihre Nummer, zu finden in der Spalte `MINOR', angesprochen.

resize 1 0 4000

beispielsweise verkleinert die erste Partition der Platte auf 4000 MByte und gibt den Rest frei. (Genau genommen sorgt das Kommando dafür, dass die Partition anschließend von Megabyte 0 bis zu Megabyte 4000 der Platte reicht.) Ein vorheriges Defragmentieren ist übrigens nicht unbedingt nötig, Parted kann die Daten selbst entsprechend verschieben. Vorsichtige Naturen werden dennoch nicht darauf verzichten wollen. Und, man kann es nicht oft genug sagen: Wem an seinen Daten gelegen ist, der erstellt zuvor ein Backup nicht nur der zu verkleinernden, sondern aller Partitionen auf der behandelten Festplatte - bei einem Stromausfall im falschen Moment können alle Daten auf der Platte futsch sein. Wenn Sie fertig sind, verlassen Sie das Programm mit quit.

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Parted verkleinert Partitionen und sorgt für Platz auf der Festplatte.

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Der `Typ' der Swap-Partition muss explizit gesetzt werden.

Sobald Sie freien Platz auf der Platte geschafft oder eine Partition für Linux leer geräumt haben, starten Sie - immer noch in der Textkonsole - mit sudo cfdisk /dev/hda den Linux-Partitionierer (auch hier nehmen Sie gegebenenfalls eine andere Gerätedatei als hda). Soll eine bereits bestehende Partition verwendet werden, müssen Sie die zunächst über den entsprechenden Menüpunkt löschen. Linux benötigt nämlich zwei Partitionen, um sich wohl zu fühlen: eine Swap- und eine Systempartition. Die Daumenregel für die Swap-Partition lautet `doppelte Hauptspeichergröße', Größen jenseits von 500 MByte machen jedoch wenig Sinn. Den Rest verwenden Sie für die Systempartition; hier sind mindestens 2,5 GByte erforderlich. Darf sich Linux auf einer neuen Festplatte ausbreiten, legen Sie auch dort schon im Vorfeld der Knoppix-Installation die benötigten Partitionen an.

Ist in cfdisk der freie Bereich ausgewählt, lässt sich über den Menüpunkt `Neue' eine neue Partition erstellen. Dabei gibt man die Größe in MByte an. Bei der Swap-Partition müssen Sie explizit den `Typ' setzen (82), die Systempartition erhält als Default den richtigen Typ `Linux' (83).

Wenn die Platte umpartitioniert ist, werfen Sie noch mal einen kritischen Blick auf die angezeigte Partitionierung. Bis jetzt ist noch nichts passiert - wenn Sie das Programm über `Ende' verlassen, lässt cfdisk die Platte unverändert. Erst nach Auswahl des Menüpunkts `Schreib.' wird die neue Partitionstabelle tatsächlich auf die Platte geschrieben. Achten Sie darauf, ob cfdisk dabei eine Warnung ausgibt: Beschwert sich das Programm, dass das Neueinlesen der Partitionstabelle fehlgeschlagen ist, sollten Sie den empfohlenen Reboot unbedingt ausführen.

Auf die Platte

Die eigentliche Knoppix-Installation übernimmt ein Skript, das man mit

sudo /usr/local/bin/knx-hdinstall

in der Textkonsole startet und das den Anwender in Form eines Assistenten durch die Installation führt. Nach Auswahl der Zielplatte ruft das Skript das bereits vertraute cfdisk auf. Hier ist keine Aktion nötig, die Platte ist ja bereits wunschgemäß partitioniert. Nach Auswahl von Swap- und Root-Partition (für Letztere empfiehlt sich bei der entsprechenden Frage ein Journaling Filesystem wie ext3, ReiserFS oder xfs [2]) kopiert das Skript die Knoppix-Distribution auf die Festplatte.

Anschließend sind ein paar Grundeinstellungen für das Festplatten-Knoppix zu treffen: Einen eigenen Mailserver wird man in der Regel nicht brauchen, ein ssh-Server hingegen ist nützlich, um von anderen Rechnern aus auf den Knoppix-PC zuzugreifen. Der Samba-Server ist nur nötig, wenn Knoppix als Fileserver arbeiten soll, den Druckserver hingegen braucht man auch zum lokalen Drucken. Ob man die angebotene grafische Anmeldung möchte, ist Geschmackssache: Auch wer sich lieber im Textmodus einloggt, kann die grafische Oberfläche jederzeit mit dem Kommando `startx' starten. Auch der Rechnername ist beliebig, es sei denn, Sie verwenden eine feste IP-Adresse mit zugeordnetem Hostnamen. Wenn der Knoppix-PC im LAN hängt und darin ein DHCP-Server arbeitet, ist das Netz über den vorgeschlagenen DHCP-Broadcast schnell konfiguriert; ansonsten muss man die üblichen Angaben von Hand vornehmen. Die Passwörter für den Superuser root und den Normalbenutzer knoppix sind in der Textkonsole vorzunehmen, aus der man das Installationsskript gestartet hat.

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Ein Assistent geleitet den Knoppix-Anwender durch die Festplatteninstallation.

Sofern Sie nicht schon einen Bootmanager einsetzen, gehört der Bootloader Lilo in den MBR. Ein bereits installiertes Windows wird automatisch in das Lilo-Bootmenü eingetragen. Knoppix lässt sich aber auch über den Bootmanager von Windows XP starten. Dazu schreiben Sie den Bootloader Lilo in den Bootsektor der Linux-Partition (Antwort `Nein' auf die Frage, ob Lilo in den MBR geschrieben werden soll), öffnen eine neue Textkonsole und lassen dort den Linux-Bootsektor in eine Datei schreiben:

sudo dd if=/dev/hda3 of=boot.lin bs=512 count=1

Statt /dev/hda3 setzen Sie den Namen der Linux-Rootpartition ein, zu erfragen durch ein einfaches mount. Die nach /mnt/target gemountete Partition ist die gesuchte. Die neu angelegte Datei boot.lin muss nun unter Windows nach C:\. Handelt es sich dabei um eine FAT-Partition, können Sie sie einfach als beschreibbar mounten und die Datei darauf kopieren; bei einer NTFS-Partition ist der Umweg über eine Diskette nötig, da das Schreiben auf NTFS-Partitionen unter Linux fehlerhaft arbeitet. Unter Windows tragen Sie den Linux-Bootsektor dann in C:\boot.ini unter `[operating systems]' ein:

C:\boot.lin="Knoppix"

Die zum Schluss der Knoppix-Installation angebotene Option, eine Bootdiskette zu erstellen, sollten Sie annehmen: Falls bei der Lilo-Installation irgendetwas schief gegangen ist, brauchen Sie die, um Ihr frisch installiertes Knoppix zu starten.

Schöner machen

Nach einem Reboot verlangt Debian einen Usernamen und ein Passwort. Unter Linux gilt als Grundregel: Man loggt sich nie als root sein. Der Superuser-Account dient unter Linux ausschließlich der Systemadministration. Tippen Sie daher als Login-Name `knoppix' und das bei der Installation abgefragte Passwort ein. Wenn man für eine Aktion root-Rechte braucht, verschafft man sie sich zeitweilig, indem man im System-Menü eine Root-Shell über `Konsole (Systemverwaltungs-Modus)' öffnet. Falls es Sie stört, dass die als root gestarteten KDE-Programme Englisch mit Ihnen sprechen: Starten Sie aus der Root-Shell heraus das KDE-Kontrollzentrum durch Eingeben von `kcontrol' und stellen Sie dort Land und Sprache auf Deutsch um.

Zum Bearbeiten von Systemdateien lässt sich auch der Konqueror im Systemverwaltungs-Modus einsetzen. Hier ist allerdings erst mal eine Konfigurationspanne auszubügeln: Starten Sie den Menü-Editor (ebenfalls im System-Menü), wählen Sie darin den Eintrag `Konqueror (Systemverwaltungs-Modus)' aus und löschen Sie bei `Befehl' das `sudo -H' vor dem `konqueror'-Aufruf. Aktivieren Sie stattdessen die Option `Unter einer anderen Benutzerkennung ausführen' und tragen Sie `root' als Benutzer ein.

Möglicherweise fehlen Ihnen die Icons für Diskette, CD-ROM und Festplattenlaufwerke, die das CD-Knoppix auf den Desktop gelegt hat. Abhilfe ist leicht zu schaffen: Im Desktop-Kontextmenü besteht unter `Neu erstellen' die Möglichkeit, Icons für Massenspeicher anzulegen. Unter `Gerät' finden Sie eine Auswahlliste mit den zur Verfügung stehenden Devices und - in Klammern dahinter genannt - das Verzeichnis, in das das jeweilige Gerät bei Anklicken des Icons gemountet wird.

Von den Festplattenpartitionen taucht hier freilich nur die Linux-Partition auf. Um auch Windows-Partitionen so bequem wie mit der CD-Version mounten zu können, sind Änderungen an der Datei /etc/fstab nötig. Dazu brauchen Sie den vorhin reparierten Konqueror mit root-Rechten, in dem Sie die Datei /etc/fstab mit einem Editor öffnen (nedit oder kate dürften Windows-Anwendern vertrauter vorkommen als gvim). Entfernen Sie das Kommentarzeichen `#' vor allen Partitionen, die Sie auf Mausklick mounten wollen. Anschließend tauchen sie ebenfalls in der Geräteliste im Kontektmenü des Desktop auf.

Multiuser

Wer regelmäßig mit dem Linux auf der Platte arbeitet, möchte auf Dauer vielleicht doch lieber unter einem anderen Benutzernamen als dem standardmäßig eingerichteten `knoppix' agieren. Zudem ist einer der großen Vorteile von Linux der Mehrbenutzerbetrieb: Bei mehreren Benutzern hat jeder einzelne User seine eigene, geschützte Arbeitsumgebung. Im Prinzip können sogar mehrere User gleichzeitig auf demselben System aktiv sein, auch wenn PCs mit mehreren Terminals heutzutage eher selten sein dürften. Und auf einem ordentlich konfigurierten Linux-System lassen sich - anders als unter Windows - alle Anwendungen problemlos auch als normaler User benutzen.

Die Benutzerverwaltung KUser hat dasselbe Problem wie der Root-Konqueror, muss also genau so wie oben beschrieben repariert werden: `sudo -H' im Menü-Editor löschen, stattdessen unter einer anderen Benutzerkennung' - nämlich root - ausführen lassen. Beim ersten KUser-Start erscheint ein Hinweis wegen einer nicht vollständigen Konfiguration. Deswegen muss man sich aber keine Sorgen machen: Das Programm erledigt das selbstständig beim Start.

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Mit KUser ist ein neuer Benutzer im Handumdrehen angelegt.

Bevor Sie jetzt munter Benutzeraccounts für Mama, Papa, Oma und Opa anlegen, ist noch eine Kleinigkeit gerade zu biegen: Jeder neu angelegte Benutzer erhält ein Home-Directory (/home/Username), in das einige vorbereitete Konfigurationsdateien aus /etc/skel/ kopiert werden. Die meisten dieser Dateien sind `versteckt': Files, deren Name mit einem Punkt beginnt, zeigt der Konqueror (und auch das ls-Kommando der Shell) standardmäßig nicht an. Im Konqueror gibt es unter `Ansicht' einen Menüpunkt, der die Anzeige der so genannten Dot-Files einschaltet; ls kennt dafür die Option `-a'.

Problematisch ist, dass in einem guten Dutzend dieser Dateien das Home-Directory des Users `knoppix' als Standardpfad eingegeben ist: zum Sichern von OpenOffice-Dokumenten beispielsweise oder als Speicherort für Mozilla-Profile und KDE-Einstellungen. Da /home/knoppix aber nun mal knoppix gehört und andere Benutzer dort keine Dateien ablegen oder ändern dürfen, geht das schief. Daher löscht man die meisten dieser Dateien am besten: Die Verzeichnisse .mozilla, office, .netscape und .netscape6 in /etc/skel dürfen spurlos verschwinden - Mozilla legt sein Konfigurationsverzeichnis beim Start automatisch selbst an, OpenOffice startet ein Setup-Programm, und Netscape ist sowieso nicht auf der CD. Auch die Dateien /etc/skel/.nessus.key, /etc/skel/.nessusrc und /etc/skel/.sversionrc sollten gelöscht werden.

Die übrigen Dateien müssen nun noch den richtigen Besitzer kriegen: Da es sich um Teile der Systemkonfiguration handelt, sollten sie eigentlich dem Superuser gehören, nicht dem Benutzer knoppix. Ein

chown -R root:root /etc/skel/* /etc/skel/.*

in der Root-Shell erledigt das in einem Rutsch.

Jetzt kann man endlich in KUser den neuen Benutzer anlegen. Wichtig dabei: Der Superuser sollte eine Anmelde-Shell eintragen (`/bin/bash' ist eine gute Wahl) und auch gleich ein Passwort vergeben. Wenn man den neu angelegten Benutzer speichert, legt KUser sein Home-Verzeichnis an und kopiert die Files aus /etc/skel dorthin. Ganz ist die Arbeit allerdings immer noch nicht erledigt: In den KDE-Einstellungen gibt es immer noch Bezüge auf /home/knoppix. Auch das lässt sich auf der Shell sehr viel schneller reparieren, als es dauern würde, die entsprechenden Einstellungen von Hand anzupassen: Mit su - oma nimmt root die Identität des Users `oma' an, ein cd wechselt in dessen Home-Verzeichnis. Die folgende Anweisung (die in einer Zeile einzugeben ist und bei der es auf jedes einzelne Sonderzeichen ankommt) ändert jedes Auftreten von /home/knoppix in allen Dateien zu /home/oma:

for f in `find . -type f -exec grep -l /home/knoppix {} \;` ; do sed -e 's/\/home\/knoppix/\/home\/oma/g' $f > x; mv -f x $f; done

Wer die Arbeitsweise dieser auf den ersten Blick etwas kryptischen Anweisung entschlüsseln will: Der Soft-Link führt zu unserer Knoppix-Seite im Web [3], wo sich auch Artikel zu den Geheimnissen der Linux-Shell finden.

Mehr Software

Mit der Installation auf der Festplatte entfällt eine weitere Einschränkung der CD-ROM-Version: Es ist jetzt möglich, weitere Programme einzuspielen. Knoppix befindet sich weitgehend auf dem Stand von Debian GNU/Linux unstable (Codename `sid'), wobei man sich von dem `unstable' nicht ins Bockshorn jagen lassen darf: Was die Debian-Macher als `unstable' bezeichnen, halten sie immer noch für robuster als manche kommerzielle Distribution. Software-Verwaltung ist der Job des Systemverwalters - Sie benötigen also für die folgenden Aktionen eine Root-Shell.

Debian installiert neue Programmpakete ganz unkompliziert aus dem Internet - der Artikel ab Seite 202 erläutert, wie das funktioniert. Das Paketverwaltungssystem APT ist bereits vorkonfiguriert, lediglich der Proxy ist noch nachzutragen, falls Ihr Web-Zugang über einen solchen läuft. Dazu starten Sie das Programm `apt-setup' und fügen eine http-Quelle hinzu (welchen Server Sie auswählen, spielt keine Rolle). Dabei werden Sie nach dem HTTP-Proxy gefragt, der in der Form `http://proxy.firma.de:Port' anzugeben ist.

Leider ist die Datei mit den Paketquellen, die Knoppix mitliefert, nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand. Öffnen Sie deshalb /etc/apt/sources.list mit einem Editor und ändern Sie alle Vorkommen von `ftp2.de.debian.org' in `ftp.de.debian.org'. Die beiden unter `Experimental' aufgeführten Zeilen sollte man durch ein vorangestelltes `#' auskommentieren, ebenso die nicht mehr gültigen URLs für KDE 3. Nach dem Speichern der so geänderten Datei bringt ein apt-get update die Kataloge der Paketverwaltung auf den aktuellen Stand.

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Wie alle Administrationswerkzeuge muss auch Synaptic mit root-Rechten laufen.

Ein erster Kandidat zum Nachinstallieren ist Synaptic, ein grafisches Frontend für die Paketverwaltung. apt-get install synaptic installiert die Software und sorgt selbst dafür, dass von Synaptic benötigte Pakete mitinstalliert werden. Natürlich soll das Programm auch im KDE-Start-Menü auftauchen - viele Debian-Anwendungen erledigen das selbst beim Installieren, Synaptic patzt in dieser Hinsicht. Öffnen Sie daher den Menü-Editor und erzeugen Sie ein neues Element beispielsweise im Untermenü `System/Admin'. Der Befehl zum Starten des Programmes lautet `/usr/sbin/synaptic', ein Icon ist auch schon vorbereitet. Wichtig: Synaptic benötigt root-Rechte, daher muss - wie bei anderen Programmen zur Systemverwaltung auch - die Option `Unter einer anderen Benutzerkennung ausführen' angewählt und als Benutzername `root' eingetragen werden.

Ebenso, wie man mittels apt-get oder einem der Frontends dazu Programmpakete nachinstallieren kann, lässt sich natürlich auch installierte Software entfernen. Eine ganze Reihe der installierten Programmpakete sind im Desktop-Betrieb nicht erforderlich (richten freilich auch keinen Schaden an). Ein Paket allerdings nervt nach der Festplatteninstallation: Der Logical Volume Manager schickt dem Superuser über 100 Mails am Tag, in denen er lediglich feststellt, dass auf dem Rechner keine Volumes existieren. Am einfachsten macht man dem ein Ende, indem man die Pakete lvm10 und lvm-common entfernt. Das kann in dem frisch installierten Synaptic geschehen oder auf der Kommandozeile mit dpkg -P lvm-common lvm10.

Wenn man sich ein bisschen mit der Debian-Paketverwaltung vertraut gemacht hat - der folgende Artikel erklärt die Details -, kann man daran gehen, dem System den letzten Schliff zu geben und die unglaubliche Softwarevielfalt von Linux zu erforschen. Synaptic oder aptitude helfen dem frisch gebackenen Debian-Systemadministrator dabei, sich einen Überblick über die verfügbaren Programmpakete zu verschaffen. Wer einen dicken Draht ans Internet hat, kann interessant klingende Programme einfach testweise installieren: Debian-Pakete wird man bei Nichtgefallen problemlos wieder los. Zudem gilt es, ein neues, völlig offenes System zu erforschen. Über die Dokumentation auf der Debian-Homepage [4] und unsere über den Soft-Link erreichbare Knoppix-Seite im Web finden Sie Antworten auf dabei auftauchende Fragen - und manches Eckchen im System, wo sich ein näherer Blick lohnt. (odi)

Literatur

[1] Axel Vahldiek, Karsten Violka, Platten-Puzzler, Festplaten-Partitionierer im Test, c't 2/03, S. 136.

[2] Oliver Diedrich, Fürs Protokoll!, Journaling File Systems für Linux, c't 6/02, S. 228.

[3] Knoppix auf Heise Online: www.heise.de/ct/ftp/projekte/knoppix/

[4] Debian-Homepage: www.debian.org

Soft-Link 0305198

Kasten 1


Partitionen und Laufwerke

Linux spricht Laufwerke nicht über Buchstaben, sondern über Gerätedateien (device files) im Verzeichnis /dev/ an. IDE-Platten tragen den Namen /dev/hdx (`hard disk'), SCSI-Platten heißen /dev/sdx (`SCSI disk'). hda ist dabei der Master, hdb der Slave am ersten IDE-Kanal; hdc und hdd bezeichnen Master und Slave am zweiten IDE-Kanal. SCSI-Platten heißen sda, sdb und so weiter.

Auch für die Partitionen auf den Laufwerken existieren Gerätedateien, deren Namen sich aus dem Namen des Laufwerks und einer Nummer für die Partition zusammensetzen. Die Zahlen 1 bis 4 stehen dabei für primäre und erweiterte Partitionen, Zahlen ab 5 für logische Laufwerke in einer erweiterten Partition. Eine Festplatte mit einer primären und einer erweiterten Partition mit zwei logischen Laufwerken darin würde sich unter Linux also mit den Partitionen /dev/hda1, /dev/hda2, /dev/hda5 und /dev/hda6 präsentieren. hda1 entspricht dabei C:, hda5 D: und hd6 E:.

Die Namen von IDE-CD-Laufwerken entsprechen denen von Festplatten - häufig hängt das CD-Laufwerk als Master am zweiten IDE-Kanal, heißt dann also /dev/hdc. Die meisten Linux-Distributionen legen zudem einen Link /dev/cdrom an. CD-Laufwerke am SCSI-Bus spricht man als scd0, scd1 etc. an. CD-Brenner - egal, ob IDE oder SCSI - tauchen immer als SCSI-Geräte auf. Die Floppy heißt /dev/fd0.

Die Namen der Gerätedateien sind bei allen Aktionen erforderlich, die sich auf das Laufwerk oder die Partition als Ganzes beziehen: fdisk -l /dev/hda beispielsweise zeigt die Partitionen auf dem Master am ersten IDE-Controller an, e2fsck /dev/sdb1 überprüft das ext2- oder ext3-Dateisystem auf der ersten primären Partition der zweiten SCSI-Platte.

Um auf die Dateien einer Partition zuzugreifen, muss man sie zunächst in den Verzeichnisbaum einhängen - `mounten' in der Fachsprache. Dabei wird eine Gerätedatei einem Verzeichnis zugeordnet: Nach einem

mount /dev/hda1 /mnt/hda1

beispielsweise greift man auf die Dateien der ersten primären Partition (/dev/hda1) über das Verzeichnis /mnt/hda1 zu.