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Dr. Oliver Diedrich

Bunte Überraschung

Linux-Software für jeden Tag

Egal, wie heftig über das bessere Betriebssystem gestritten wird - entscheidend ist, dass man damit seine tägliche Arbeit erledigen kann. Linux bietet mittlerweile eine breite Palette komfortabler Anwendungen, die Zeit kryptischer Kommandozeilenbefehle ist vorbei.

Unterthema: Laufwerke und Partitionen

Linux ist gar nicht so anders als andere PC-Betriebssysteme. Wer schon mal mit einem Windows-PC oder Mac gearbeitet hat, kommt auch mit dem KDE-Desktop auf Anhieb zurecht: Icons zum Zugriff auf Datenträger und Dokumente, Menüs und Startknöpfe zum Aufrufen von Programmen - PC-Anwender finden unter Linux eine vertraute Umgebung vor.

Wenn Sie das mit einem `K' gekennzeichnete Startmenü links im Panel öffnen, gewinnen Sie einen Überblick über die installierten Anwendungen. Webbrowser, Mail- und Chat-Programme, aber auch eine Vielzahl von Netzwerk-Tools finden sich unter `Internet'. Der Menüpunkt `KNOPPIX' führt zu den Werkzeugen zur Systemkonfiguration, `Multimedia' fasst Anwendungen zum Umgang mit Bild-, Audio- und Video-Dateien zusammen. Über das `Einstellungen'-Menü können Sie Aussehen und Verhalten des KDE-Desktops steuern. Die `Dienstprogramme' sind überwiegend kleine Desktop-Anwendungen.

Für jedes Laufwerk, das Knoppix auf der Festplatte entdeckt, findet sich ein Icon auf dem Desktop. Die Benennung folgt dabei Linux-Konventionen (siehe Kasten auf S. 101). Mit einem einfachen Mausklick (die KDE-Oberfläche hält sich konsequent an das Browser-Bedienmodell und kennt keine Doppelklicks) lässt sich das Laufwerk öffnen und durchstöbern. Schreibzugriffe sind in der Voreinstellung nicht möglich - Knoppix geht hier kein Risiko ein. Möchten Sie eine FAT-Partition dennoch beschreiben, müssen Sie diesen Wunsch über das Kontextmenü ausdrücklich kundtun (`Lese-/Schreibmodus ändern'). Auf NTFS-Laufwerke ist generell kein Schreibzugriff möglich.

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Konqueror, der Standard-Webbrowser des KDE-Desktops, importiert die Favoriten des Internet Explorer.

Ein besonderes Highlight des KDE-Desktops ist der Datei- und Webbrowser Konqueror, zu starten in seiner Dateimanagerinkarnation über das Haus-Icon, als Browser über den stilisierten Globus im Panel. Das Programm surft im Internet, verwaltet die Daten auf der Festplatte, greift auf FTP-Server zu, durchstöbert das LAN und liefert Informationen aller Art aus dem Internet: gg:konqueror web etwa, im Adressfeld eingetippt, führt eine Google-Suche nach `konqueror' und `web' durch. Unter `Erweitertes Webbrowsen', zu finden über den Menüpunkt `Konqueror einrichten' im `Einstellungen'-Menü, werden eine Reihe weiterer vorkonfigurierter Kürzel aufgelistet. Nur am Rande bemerkt: Konquerors HTML-Renderer KHTML dient auch als Basis des neuen Apple-Browsers Safari.

Ab ins Web

Bevor man das Web durchstöbern kann, will freilich ein Internet-Zugang eingerichtet sein. Sofern der Knoppix-Rechner mit einer Ethernet- oder WLAN-Karte ausgestattet ist und beim Booten via DHCP seine IP-Adresse und die des Internet-Gateways erfahren hat, ist man bereits `drin'. Lediglich ein Proxy, sofern erforderlich, ist dem Browser noch mitzuteilen.

Bei einem Modem-, ISDN- oder DSL-Zugang hingegen müssen Sie selbst Hand anlegen und Ihre Zugangsdaten in dem entsprechenden Konfigurationstool eintragen, zu finden unter dem Menüpunkt `KNOPPIX' im Startmenü. Das ADSL-Konfigurationsprogramm startet zwar im Textmodus, ist aber so schlau, dass es praktisch alles selbstständig erledigt - im Normalfall können Sie einfach die Vorgaben akzeptieren. Auch bei den ISDN-Einstellungen ist im Allgemeinen lediglich ein Provider einzugeben oder aus der Providerliste auszuwählen, wobei die deutschlandweit tätigen Provider ganz am Ende der Liste unter `National' stehen.

Modems werden leider nicht immer automatisch erkannt; unter Umständen müssen Sie im Modem-Konfigurationstool unter `Gerät' an Stelle von /dev/modem den Eintrag /dev/ttyS0 (erste serielle Schnittstelle) oder /dev/ttyS1 (zweite serielle Schnittstelle) auswählen. Von dem beim Einrichten des Zugangs angepriesenen Assistenten sollte man sich nicht locken lassen: Der kennt gerade mal vier deutsche Internet-Provider von lediglich geringer Marktbedeutung.

Bequemerweise kann der Lesezeichen-Editor des Konqueror, zu starten über den Menüpunkt `Lesezeichen bearbeiten', Mozilla-Bookmarks importieren - auch von Windows-Systemen. In dem Dateidialog `Mozilla-Lesezeichen importieren' wandert man zunächst aufwärts nach /mnt/hda1 (oder dem entsprechenden Verzeichnis der eigenen Windows-Installation, siehe Kasten `Laufwerke und Partitionen' auf S. 101). Dort findet sich die Verzeichnisstruktur von C:\, wo man sich dann zu der Datei bookmarks.html mit den Mozilla-Lesezeichen durchhangelt. Über dieselbe Funktion lassen sich auch die Lesezeichen des Internet Explorer einlesen, die Sie zuvor allerdings im IE als HTML-Datei exportiert haben müssen.

Wem der Konqueror als Webbrowser gar zu fremd vorkommt, der findet auch Mozilla als Internet-Rundum-Paket auf der CD-ROM. Die Unterschiede zur Windows-Version sind minimal. Wenn es nur ein pfiffiger Alternativ-Browser sein soll, lohnt sich ein Blick auf Galeon. Galeon verpasst dem zuweilen etwas trägen Mozilla eine flotte Bedienschnittstelle und eine Reihe von praktischen Features und Einstellmöglichkeiten, die dem Großen fehlen. Elinks und Lynx sind reine Textmode-Browser, die Webentwicklern einen schnellen Eindruck verschaffen können, was blinde Besucher von ihren Seiten per Screenreader zu `sehen' kriegen.

Beim Surfen mit Knoppix kann man übrigens durchaus etwas sorgloser zu Werke gehen als sonst: Da sich weder auf der CD noch auf den (per Default nur lesbaren) Festplatten Daten speichern lassen, kann man ohne Angst vor 0190er-Dialern, Trojanern und ähnlichem Ungeziefer im Internet unterwegs sein.

Kommunikativ

Auch beim Thema E-Mail bietet unsere CD-ROM Auswahl. Ein geradliniger, schnörkelloser und dennoch leistungsfähiger Mailer ist kmail, der zwar auch mit dem IMAP4-Protokoll umgehen kann, seine Stärken aber vor allem bei POP3-Mailboxen ausspielt. Wer es komfortabler und integrierter mag, findet in Evolution eine E-Mail-Software mit eingebautem Kalender und Adressverzeichnis, die von Hause aus POP3 und IMAP4 spricht. Um neu angelegte Mail-Zugänge sofort zu sehen empfiehlt es sich, unter `Ansicht' die Ordnerleiste zu aktivieren.

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Die Organizerfunktionen von Evolution lassen sich mit Palm-Handhelds synchronisieren.

Evolution synchronisiert auf Wunsch seine PIM-Daten mit Palm-Handhelds und Kompatiblen. Starten Sie die Pilot-Einstellungen im `Werkzeuge'-Menü. Als `Port' wählen Sie für die erste serielle Schnittstelle /dev/ttyS0, für die zweite /dev/ttyS1. Bei einem USB-Cradle klicken Sie als `Type' USB an. Wenn der `Initial Sync' geklappt hat, sind nur noch die gewünschten Conduits auf `Enabled' umzustellen. Anschließend sollte sich Evolution bei erneutem Drücken der Hotsync-Taste am Cradle mit dem Palm synchronisieren.

Falls Ihnen Evolution nur für das Synchronisieren mit dem Handheld zu fett erscheint: J-Pilot ist ein Klon der Windows-Software, die den Palm-Handhelds beiliegt. Hier klickt man zunächst den `Sync'-Button in der Software und drückt anschließend den Hotsync-Knopf am Cradle. Eine weitere Alternative ist KPilot, der die Palm-Daten mit den KDE-PIM-Anwendungen KOrganizer und KAddressbook abgleicht. Dabei ist zu beachten, dass vor dem ersten Hotsync im KOrganizer eine Kalenderdatei gespeichert und die `Terminplaner-Leitung' (KPilot-Ausdruck für Conduit) so konfiguriert werden muss, dass sie mit dieser Datei abgleicht.

Für Internet-Chatter stehen Clients für die gängigen Protokolle bereit. Gaim versteht sich vor allem auf das AOL Instant Messenging, nimmt über Plug-ins aber auch mit anderen Systemen Kontakt auf. Ein Klick auf `Laden' im `Plugins'-Dialog zeigt die zur Verfügung stehenden Plug-ins, die allerdings erst nach dem Laden nähere Auskunft über sich geben. Wer sich auf den Klassiker unter den Chat-Protokollen, den Internet Relay Chat, beschränkt, kommt mit dem schon vorkonfigurierten IRC-Client Xchat wahrscheinlich schneller zum Zuge.

Videotelefonie und Voice over IP bietet das Programm Gnomemeeting. Die Software verwendet das H.323-Protokoll und versteht sich daher auch mit der Windows-Beigabe NetMeeting. Lediglich der ebenfalls mögliche Textchat funktioniert nur zwischen Gnomemeeting-Anwendern.

Produktiv

Platzhirsch beim Thema Büroarbeit unter Linux ist ohne Frage OpenOffice. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsgrafik entsprechen in ihrer Leistungsfähigkeit dem, was man von anderen Systemen her kennt. OpenOffice importiert MS-Office-Dateien mit durchaus passablem Ergebnis, stößt allerdings bei VBA-Makros an seine Grenzen. Sofern man nicht gerade umfangreiche Altbestände an makrogespickten Excel-Rechenblättern weiterverwenden muss, sollte sich OpenOffice allen Büroaufgaben gewachsen zeigen.

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OpenOffice: alles fürs Linux-Büro

Wenn es nicht ganz so dick sein soll, gibt es auch schlankere Alternativen. Abiword zum Beispiel ist eine handliche Textverarbeitung, die zwar an mancher anspruchsvolleren Formatierungsaufgabe scheitert, mit der ein Brief aber unter Umständen schon geschrieben ist, während OpenOffice noch startet. Bluefish ist spezialisiert auf die Erstellung von HTML-Seiten und bietet dort vielfältige Funktionen bis hin zum fertigen Javascript-Schnipsel für Mouseover-Effekte. Mit Gnumeric findet sich eine schlanke, sehr leistungsfähige Tabellenkalkulation auf der CD, die auch mit MS-Excel-Dateien umgehen kann.

Wer schreibt, will das Geschriebene natürlich auch zu Papier bringen. Knoppix enthält das Drucksystem CUPS, das sich durch zahlreiche Treiber für gängige und exotische Drucker und einfache Konfigurierbarkeit auszeichnet. Die Fehlermeldung, mit der der Anwender nach Anwahl von `Drucker konfigurieren' im KNOPPIX-Untermenü begrüßt wird, kann man getrost ignorieren - nach einem Klick auf `Ok' funktioniert alles wie es soll.

Das Zauberstab-Icon (`Drucker/Klasse hinzufügen') im CUPS-Hauptfenster startet den Assistenten zur Druckerverwaltung, der sich alle Mühe gibt, den Drucker schnell zum Spielen zu bringen. Beim Einrichten eines Netzwerkdruckers kann man das LAN nach potenziellen Kandidaten durchsuchen lassen. Zuvor sind freilich noch die Netzwerkparameter korrekt zu konfigurieren - per Default versteckt sich hinter dem `Einstellungen'-Button das wenig sinnvolle Subnetz 127.0.0.0/24.

Laut und bunt

In Sachen Multimedia, lange Zeit ein Stiefkind der eher auf Servertechnik und Netzwerksoftware ausgerichteten Linux-Gemeinde, hat das PC-Unix in den letzten Jahren gewaltig nachgerüstet. Das merkt man beispielsweise, wenn man im Dateimanager Konqueror mit der Maus über eine MP3-Datei streicht: Schon werden Titel und Interpret, Bitrate und Länge des Stückes angezeigt. Auf Mausklick startet das X Multimedia System, kurz XMMS, das neben MP3-Dateien auch andere Musikformate wie WAV und Ogg-Vorbis abspielt.

Wer mit Musik mehr im Sinn hat als sie sich nur anzuhören, findet in Audacity einen Audio-Editor, der MP3-Dateien einliest und gängige Effekte wie `Noise Removal' oder `Bass Boost' vorhält. Ein in die Online-Hilfe integriertes Tutorial hilft, die Möglichkeiten der Software zu entdecken. Geht der Ehrgeiz eher in Richtung Selbstkomponiertes, lohnt ein Blick auf Rosegarden, ein Midi-fähiges Sequencer- und Notensatzprogramm mit allerdings etwas gewöhnungsbedürftiger Bedienoberfläche.

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Xine, hier mit CelomaChrome-Skin, bringt bewegte Bilder auf den Schirm.

Bei dem Video- und DVD-Player Xine ist uns leider ein Konfigurationsfehler durch gerutscht: Das Programm beschwert sich beim Start über eine doppelt belegte Tastenkombination (was seiner Funktion freilich keinen Abbruch tut). Wenn Sie die Fehlermeldung stört, ändern Sie in der Tastaturbelegung den Eintrag `Toggle TV modes on the DXR3' auf eine nicht benutzte Tastenkombination, etwa Ctrl-X, und speichern Sie die veränderten Einstellungen ab. Das schafft zumindest bis zum nächsten Reboot Ruhe.

Im Betrieb lässt ein Klick mit der rechten Maustaste in das Videofenster die Bedienkonsole verschwinden und wieder erscheinen; `f' schaltet zwischen Vollbildmodus und der Filmdarstellung im Fenster hin und her. Xine kann prinzipiell auch mit DVDs umgehen; zum Abspielen verschlüsselter DVDs benötigt das Programm allerdings die Bibliothek libdvdcss, die aus rechtlichen Gründen nicht auf der CD enthalten ist und sich auch nicht ohne weiteres in das Knoppix'sche Read-Only-Dateisystem einspielen lässt.

Der TV-Ausgang von Nvidia-Karten lässt sich auch unter Linux nutzen. Klicken Sie auf den Desktop-Hintergrund und öffnen Sie mit Alt-F2 die Befehlseingabe. Tippen Sie dort sudo nvtv ein. Anschließend erscheint ein Fenster, in dem Sie den TV-Ausgang konfigurieren und aktivieren können.

Mit Gimp haben wir eine leistungsfähige Bildbearbeitung mit auf CD gepackt. Beim ersten Start durchläuft das Programm eine Installationsroutine, bei der Sie alle Vorgaben durch Klicken auf `Weiter' übernehmen können. Alle Grundfunktionen sind über einen Klick mit der rechten Maustaste im Bild zugänglich. Eine Reihe von Spezialeffekten finden Sie im `Skript-Fu'-Menü unter Xtns. Falls ein von Linux unterstützter Scanner angeschlossen ist, können Sie hier auch ein Bild vom Scanner einlesen - wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass es mit der Scannerunterstützung bei Linux nicht so weit her ist. Aber wenn Ihr Scanner mit Linux funktioniert, steht mit Kooka auch eine spezielle Scannersoftware inklusive OCR bereit.

Ebenfalls einen Blick wert ist das Vektorgrafikprogramm Sketch. Mit professionellen Anwendungen wie dem Adobe Illustrator kann das Programm zwar nicht mithalten, bietet aber mit Features wie dem Überblenden von Objekten, vielfältigen Verläufen und magnetischen Pfaden eine Menge Möglichkeiten.

Klein- und Spielkram

Etwas unglücklich unter den Systemtools versteckt sind die Brennprogramme Gcdmaster und K3b. Letzteres kommt mit einem komfortablen Setup-Programm daher, das sich buchstäblich um alle Aspekte der Einrichtung des CD-Brenners kümmert, und präsentiert sich als Universallösung für das Brennen von CDs. Gcdmaster ist spezialisiert auf Audio-CDs und beherrscht nützliche Funktionen wie das Zerlegen eines Audiosamples in mehrere Tracks. Beide Programme sind freilich nur hilfreich, wenn die Knoppix-CD nicht im Brenner, sondern in einem anderen Laufwerk steckt.

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LinNeighborhood duchstöbert die Ressourcen eines Windows-Netzes.

Falls Ihr Rechner in einem Windows-Netz hängt, lohnt sich ein Blick auf LinNeighborhood, zu finden im Internet-Menü. Der SMB-Browser, der auch ohne großartige Konfiguration funktioniert, sollte wenige Sekunden nach dem Start einen Überblick über die Arbeitsgruppen und Rechner im Windows-Netz präsentieren. Wenn Sie unter `Prefs' den Punkt `Immer als User browsen' aktivieren, unter `Verschiedenes' die Option `Default-Passwort merken' anschalten und Usernamen und Passwort für das Windows-Netz eintragen, haben Sie Zugriff auf alle Netzressourcen, an die Sie unter Windows herankommen. Auf Doppelklick mountet LinNeighborhood Freigaben von Windows-Rechnern, standardmäßig unter dem Rechnernamen in das Unterverzeichnis mnt im Homeverzeichnis.

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Ding übersetzt markierte Wörter automatisch.

Ein kleiner Helfer, den der Anwender schnell lieb gewinnt, ist das unter den Büroprogrammen eingeordnete vielseitige Wörterbuchprogramm Ding. Ding übersetzt zwischen Englisch und Deutsch, überprüft die Rechtschreibung deutscher und englischer Wörter und schlägt englische Begriffe in diversen Lexika nach. Ist das Suchverhalten auf `Suche sobald Maus über Fenster' eingestellt, reicht es, in anderen Fenstern, beispielsweise im Browser, ein Wort zu markieren und in das Ding-Fenster zu klicken - schon steht da die Übersetzung.

Gtkam, bei den Betrachtern im Multimediamenü zu finden, liest die Bilder aus über 300 gängigen Digitalkameramodellen ein - Thumbnail-Übersicht der Bilder auf der Kamera inklusive. Ebenfalls unter den Betrachtern einsortiert ist Xpdf, ein PDF-Anzeiger in Art des Acrobat Reader, der jedoch deutlich schneller als das Acrobat-Programm startet und bei manchen PDF-Dokumenten sogar ein besseres Ergebnis liefert.

Spiele sind definitiv keine Linux-Domäne. Immerhin: Nostalgiker mögen ihren Spaß an Galaga oder KSokoban haben, und Frozen Bubble ist zwar ebenfalls eher einfach gestrickt, kann aber durchaus ein gewisses Suchtpotenzial entwickeln. Kleinere Kinder lassen sich erfahrungsgemäß recht gut mit dem Kartoffelknülch unterhalten (im Startmenü zu finden unter `Kleinigkeiten').

KDE-Feinheiten

Eine Spezialität der Linux-Desktops sind die ungemein praktischen virtuellen Arbeitsflächen: Fenster lassen sich zwecks besserer Übersicht auf vier Desktops verteilen, zwischen denen der Anwender auf Mausklick in der zentralen Desktopübersicht im Panel hin- und herwechselt. Überlässt man beispielsweise Desktop 1 dem Browser, legt die Textverarbeitung auf Desktop 2 und widmet Desktop 3 dem Mailprogramm, ist man nicht ständig auf der Suche nach überdeckten Fenstern. Speziell für Programme wie die Bildbearbeitung Gimp, die viele Fenster über den Schirm verstreuen, sind die virtuellen Desktops Gold wert. Wer sie viel nutzt, sollte einen Blick auf das Dienstprogramm KPager werfen, in dem man nicht nur zwischen den virtuellen Arbeitsflächen umschalten, sondern auch Anwendungen hin- und herschieben kann.

Für das Look and Feel des Desktops ist das Kontrollzentrum zuständig. Hier stellen Sie Hintergrund und Bildschirmschoner, Optik von Fenstern und GUI-Elementen oder den verwendeten Icon-Satz ein (`Erscheinungsbild'). Unter `Dateianzeige' konfigurieren Sie Aussehen und Verhalten des Dateimanagers Konqueror und legen fest, welche Anwendungen für welche MIME-Types zuständig sind, unter `Web-Browser' können Sie dasselbe für die Browservariante von Konqueror tun.

Nach einem Rechtsklick im Panel öffnet sich dessen Kontextmenü, in dem Sie Applets oder Startknöpfe für einzelne Anwendungen oder Untermenüs des Startmenüs in die Taskleiste einfügen können. Wer sich noch an NextStep erinnert, bevorzugt das Panel vielleicht am rechten statt am unteren Bildschirmrand, festzulegen in den Einstellungen. Und wem es bislang entgangen ist: Die kleinen Knöpfe mit den Dreiecken an den beiden Enden des Panels lassen die Taskleiste verschwinden und wieder auftauchen.

Haben Sie Aussehen und Verhalten des Desktops Ihren Vorstellungen angepasst, den Internet-Zugang eingerichtet und Ihren Drucker konfiguriert, wäre es doch schade, beim nächsten Booten der CD von vorne anzufangen. Daher lassen sich alle Einstellungen im `KNOPPIX'-Menü des Startmenüs unter `Konfiguration' auf eine leere, formatierte Diskette sichern. Herunterfahren muss man Knoppix übrigens nicht: Wenn Sie keine Festplattenpartitionen auf beschreibbar umgeschaltet haben, können Sie den Rechner einfach ausschalten. Ansonsten genügt ein Klick auf `Abmelden' im Startmenü. (odi)

Kasten 1


Laufwerke und Partitionen

Linux kennt keine Laufwerksbuchstaben: IDE-Platten tragen den Namen hdx, SCSI-Platten heißen sdx. hda ist der Master, hdb der Slave am ersten IDE-Kanal. hdc und hdd bezeichnen entsprechend Master und Slave am zweiten IDE-Kanal. SCSI-Platten heißen sda, sdb und so weiter.

Partitionen tragen Nummern, die an den Laufwerksnamen angehängt werden. Die Zahlen 1 bis 4 stehen dabei für primäre und erweiterte Partitionen, Zahlen ab 5 für logische Laufwerke in einer erweiterten Partition. Eine Festplatte mit einer primären und einer erweiterten Partition mit zwei logischen Laufwerken darin würde sich unter Linux also mit den Partitionen hda1, hda2, hda5 und hda6 präsentieren. hda1 entspricht dabei C:, hda5 D: und hd6 E:. Auf die erweiterte Partition hda2, die ja nur als Container für die logischen Laufwerke dient, kann man weder unter Linux noch Windows direkt zugreifen.